Workshop
Maras, Muskeln, Medien – Sicherheitsdiskurse zentralamerikanischer Medien als geschlechtsspezifisches Herrschaftsinstrument
Anika Oettler / Peter Peetz

In Zentralamerika tragen die Medien entscheidend zu einem öffentlichen Diskurs über Gewalt und Kriminalität bei, der geprägt ist von (Sicherheits-)Panik und undifferenzierten Schuldzuschreibungen. In die Rolle der Sündenböcke geraten je nach Land unterschiedliche Personenkreise: In El Salvador, Honduras und Guatemala beispielsweise sind es Jugendliche aus der Unterschicht, die im Generalverdacht stehen, als Mitglieder von Jugendbanden (maras / pandillas ) für das angeblich schwerwiegendste sicherheitspolitische Problem der Region verantwortlich zu sein. In dem Workshop sollen einige Ergebnisse des Forschungsprojekts „Öffentlichkeiten und Gewalt in Zentralamerika“, das am GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg durchgeführt wurde, vorgestellt und diskutiert werden. Dabei werden wir vor allem der Frage nachgehen, wie und warum über die mediale Inszenierung von Körpern stereotype Bilder von einer bedrohlichen subkulturellen Männlichkeit geformt und verfestigt werden. Welche gesellschaftlichen und politischen Machtstrukturen stehen hinter dieser medialen Produktion von Vorurteilen? Welche Folgen hat die Verfestigung von zentralamerikanischen Sicherheitsdiskursen? Die zentrale These der Referentin und des Referenten lautet, dass die unter anderem von den Medien getragenen Sicherheitsdiskurse nicht zuletzt der Zementierung des gesellschaftlichen Status Quo im Hinblick auf Geschlechtsverhältnisse dienen.

Zu den Personen
Anika Oettler ist seit April 2009 Professorin am Institut für Soziologie der Philipps-Universität Marburg. Auf ein Studium der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Hannover folgte die Promotion an der Universität Hannover. Von 2003-2009 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am GIGA Institut für Lateinamerika-Studien in Hamburg tätig und leitete dort u.a. das Forschungsprojekt „Öffentlichkeiten und Gewalt in Lateinamerika“. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Theorie und transnationale Praxis der Aufarbeitung von Massengewalt, die soziale Konstruktion von Gewalt und (Un-)Sicherheit, Geschlechterverhältnisse und Frauenbewegungen in Zentralamerika. Sie ist Mitglied des Zentrums für Gender-Studies und feministische Zukunftsforschung.
Peter Peetz studierte Politikwissenschaft, Mittlere und Neuere Geschichte und Romanische Philologie/Spanisch an der Georg-August-Universität Göttingen, an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM), Mexiko-Stadt sowie Politikwissenschaft, Geschichte und Spanisch an der Universität Hamburg. Von 2006-2007 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GIGA Institut für Lateinamerika-Studien im Forschungsprojekt „Öffentlichkeiten und Gewalt in Zentralamerika“. Seit 2008 ist er Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen des GIGA und Doktorand am GIGA Institut für Lateinamerika-Studien. Er promoviert derzeit zum diskursiven und politischen Umgang mit Jugendbanden in Honduras.