Vortrag: Kritische Bestandaufnahme der Lateinamerikaberichterstattung deutscher Medien
Harald Neuber

Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Emanzipation Lateinamerikas von ehemaligen und aktuellen Kolonialmächten sowie den mit ihnen alliierten industriellen Machtzentren wird in der europäischen Presse mit einem Höchstmaß an Vorurteilen und Verzerrungen begleitet. Kaum einem etablierten Medium gelingt es, unvoreingenommen über die Integrationsbewegung in Lateinamerika und der Karibik zu berichten. Statt dessen machen sich etablierte Medien zunehmend zum Sprachrohr hiesiger politischer, also wirtschaftlicher Interessen. Während Konzernmedien den Rezipient_innen eine umfassende Berichterstattung zur Meinungsbildung vorenthalten, versuchen alternative Nachrichtenangebote diese Lücke in zunehmenden Maße zu schließen.
Harald Neuber zeigt in seinem Vortrag die Entwicklung der Lateinamerika-Berichterstattung in Deutschland auf und skizziert Probleme sowie Ursachen.

Zur Person
Harald Neuber hat an der Freien Universität Lateinamerikanistik und Altamerikanistik studiert. Bis zum Herbst 2008 arbeitete er als Redakteur bei der Tageszeitung junge Welt, für die er die Lateinamerika-Berichterstattung im außenpolitischen Ressort aufbaute. Seither arbeitet er als Deutschland-Korrespondent der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina, für die er 20 Jahren nach dem Fall der Mauer wieder ein Büro in Berlin eröffnet hat. Er ist zudem für verschiedene europäische Medien tätig und Gründungsmitglied des Lateinamerika-Nachrichtenportals amerika21.de.