Lateinamerikanische Basismedien als Teil demokratischer Öffentlichkeiten

Ab den 1920er Jahren entwickelte sich auf den ganzen Welt, eine später sogenannte Medienlandschaft. Auf dem lateinamerikanischen Kontinent verlief diese Entwicklung nicht viel anders. Allerdings sind diese ersten Schritte durch die Hand von privaten und wirtschaftlich gut gerüsteten Interessengruppen entstanden. Doch es dauerte nicht lange, und der Staat entdeckte ihr Potential. Nach und nach versuchte er überdies, die Medien zu „regulieren“. Der Staat nutze ihre Mittel, um seine Interessen zu vertreten, während einige überzeugte Journalist_innen sie als korrektive Instanz zwischen Exekutive, Judikative und Legislative sahen und nutzten, um auf Missstände aufmerksam zu machen und diese anzuprangern. Die sogenannte „vierte Gewalt“ ist als Konzept entstanden.
Durch die Entwicklung der Medienmonopole und die Liaison zwischen Regierung und Interessengruppen, die zunehmend die Herrschaft über die Medienlandschaft hatten, verlor diese „objektive“ Kontrollinstanz jedoch deutlich an Glaubwürdigkeit. Deshalb sprach sich Ignacio Ramonet Anfang 2000 für die Schaffung einer „fünften Gewalt“ aus, um den Medien ihre „Unabhängigkeit“ wiederzugeben.
Seit Jahren rücken nun schon alternative (Basis-)Medien ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wir wollen uns einen allgemeinen Überblick über ihre Entstehung auf dem lateinamerikanischen Kontinent verschaffen. Auf dieser Grundlage gilt es nachzuvollziehen, dass die neuesten Entwicklungen nicht allein den so genannten linken Regierungen zuzuschreiben sind, sondern vor allem der kontinuierlichen Arbeit der Alternativberichterstatter_innen. Wir werden Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie die Entwicklungen der letzten Jahre an ausgewählten Beispielen innerhalb der Länder und in der transnationalen Zusammenarbeit näher betrachten.

Zur Person
Viviana Uriona ist Politikwissenschaftlerin und Medienaktivistin, Argentinierin, lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Sie studierte Politikwissenschaft an der Universität zu Köln und der FU Berlin, promoviert an der Universität Potsdam in Medienwissenschaften zu „soziale Bewegungen und freie Radios in Lateinamerika am Beispiel Argentinien“ und ist Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Zahlreiche Publikationen zu sozialen Bewegungen in Lateinamerika und Deutschland, Jugendbewegung, Solidarische Ökonomie und alternative Berichterstattung. Uriona ist in der freien Radioszene in Deutschland bei dem Bundesverband Freier Radios, dem Nachrichten Pool Lateinamerika und transnational und bei dem Comunity Media Forum Europa aktiv.