Auftaktvortrag
Medienreformen in Lateinamerika und ihre Demokratie-Potenziale. Eine theoretisch fundierte Einführung
Andreas Hetzer
Die Mediensysteme Lateinamerikas sind fast ausschließlich privat-kommerziell geprägt und verfügen über eine lange Tradition der aktiven Einmischung in politische Entscheidungsprozesse. Dies hat Konsequenzen für die Ausgestaltung demokratischer Willensbildung in dieser Region, weil Massenmedien als Vermittlungsorgane zwischen gesellschaftlichen Anspruchsgruppen bei der Verteilung von Ressourcen eine wichtige Rolle spielen. Von dieser Grundlage ausgehend haben sich in den letzten Jahren die Regierungen verschiedener Länder der Reformierung des Mediensektors angenommen, die im Vortrag nur auszugsweise gestreift werden kann. Vielmehr soll diskutiert werden, welche Theorien dazu taugen, den Kampf um die Deutungshoheit politischer Wirklichkeit und die Machtverhältnisse im medialen Sektor mit weiter gefassten gesellschaftlichen Herrschaftsstrukturen in Verbindung zu bringen. Denn nur mit einem klaren Analysestandpunkt kann adäquat bewertet werden, ob Medienreformen politische und ökonomische Einflusschancen tatsächlich verschieben sowie Medien unabhängig von Markt und Staat agieren lassen.

Zur Person
Andreas Hetzer studierte „Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung“ an der Universität Siegen und der Universidad Santiago de Compostela (Galizien, Spanien). Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Politische Ökonomie der Medien, Medienpolitik und Global Governance, politische und mediale Transformationsprozesse in Lateinamerika, Politische Kommunikation. Seit Oktober 2007 ist er Lehrkraft für besondere Aufgaben und Promovend im Fachbereich Politikwissenschaft an der Universität Siegen. Seine Promotion beschäftigt sich mit der Rolle von Medien in politischen Transitionsprozessen am Beispiel Boliviens.